Rezension in der Neuen Westfälischen vom 27. November 2012

Erfolgreich Neuland erobert

Brakeler Madrigalchor gelingt brillante OWL-Uraufführung eines lange vergessenen Oratoriums

von Burkhard Battran

Brakel. Fünf Minuten lang brandete der Applaus auf. Die mehr als 300 Zuhörer hatten sich von den Plätzen erhoben und feierten in der Brakeler St.-Michael-Kirche den Madrigalchor, Orchester und Solisten mit stehenden Ovationen. Dem Brakeler Traditionschor war am Sonntag ein großer Triumph gelungen.

Konzertfoto die letzten Dinge Foto: Burkhard Battran (Neue Westfälische)

Mehr als 100 Jahre lang war das Oratorium „Die letzten Dinge“ des Kasseler Komponisten Luis Spohr (1784 bis 1859) nicht mehr aufgeführt worden. Erst 2009 war anlässlich des 150. Todestages eine neue Noten-Partitur des Werks erschienen, durch die dieses Werk, das als das bedeutendste der vier Oratorien Spohrs gilt, wieder ins Bewusstsein zurückgekehrt ist.

Aus aufführungstechnischer Sicht handelt es sich um ein komplett neues Werk. Zwar gab es bereits eine umjubelte Neu-Premiere in Kassel, aber es gibt keine Referenzaufnahmen, wie sie bei der Erarbeitung etablierter Werke die Regel sind. Für diese Produktion hat der Madrigalchor echtes Neuland betreten. Diese Leistung kann nicht hoch genug bewertet werden. Selbst für professionelle Ensembles ist die Erarbeitung einer Uraufführung immer eine besonders große Herausforderung.

Umso schwieriger ist diese Aufgabe für einen Laienchor, dessen Sängerinnen und Sänger nicht so gut ausgebildet sind: Dass sie einmal aufs Blatt gucken und die meisten Fragen geklärt sind. Hier hat Chorleiter Hans-Martin Fröhling ganze Arbeit geleistet. Er hat seinen 70 Sängerinnen und Sängern das Werk ausgezeichnet vermittelt. Kraftvoll, selbstbewusst und mit einer spürbaren Freude an diesem Werk, präsentierte sich der Madrigalchor dem Publikum. Auch die Abstimmung mit dem 30-köpfigen Hannoveraner Begleitorchester Opus 7 klappte hervorragend. Es gab nur eine einzige gemeinsame Probe mit allen Beteiligten, doch von Unsicherheit war nichts zu merken. Dirigent Fröhling hatte die mehr als 100 mitwirkenden Sänger und Instrumentalisten jederzeit kontrolliert im Griff.

Die Gesangssolisten hatten diesmal weniger zu tun, als bei anderen Oratorien-Aufführungen. In seinen „Letzten Dingen“ hat Spohr weitgehend auf das Wechselspiel von Rezitativ und Arie verzichtet. Stattdessen kommt dem Chor eine viel tragendere Rolle zu. Der Madrigalchor wurde der Herausforderung des Werkes in jeder Weise gerecht. Besonders die mächtigen Finalsätze, wie das „Gefallen ist Babylon“ oder die Solo-Wiederholung „Selig sind die Toten“ zeugten von dem außerordentlich guten Werkverständnis und dem hohem gesanglichen Niveau des Madrigalchors.

Auch die Solisten der Aufführung machten viel Freude. Bassbariton Markus Krause (Bremen) überzeugte mit konzentriert routinierten Rezitativen, obwohl das Werk für ihn nicht minder neu gewesen sein musste. Vor allem aber gefiel der Bonner Tenor Patrick Henckens (44). Mit seinem farbigen und stets transparenten Ton, verlieh Henckens den Solopassagen feierlichen Glanz. Aber auch die Frauenstimmen wussten zu überzeugen. Vor allem die Duette von Sopran Catalina Bertucci (Detmold) und Mezzosopranistin Marie-Sande Papenmeyer (Oldenburg) waren Höhepunkte der Aufführung, da diese beiden Stimmen auf eine ganz besondere Weise miteinander harmonierten.

Rezension im Westfalen-Blatt vom 27. November 2012

Sinn für musikalisches Drama

Madrigalchor Brakel führt Oratorium »Die letzten Dinge« auf

von Dagmar Korth

Brakel (WB). Zwei Kompositionen, die in der Region noch nie aufgeführt wurden, hat der Madrigalchor Brakel am Sonntag in der Pfarrkirche St. Michael präsentiert. Die Sängerinnen und Sänger setzten mit dem Oratorium »Die letzten Dinge« von Louis Spohr sowie dem Werk »Lux aeterna« von Morten Lauridsen einen besonderen musikalischen Akzent.

So wichtig es für den Dirigenten einer Aufführung ist, das Werk aus analytischer Sicht zu betrachten, so wichtig ist auch die Erschließung des konfessionsneutralen geistig-religiösen Konzepts, das es dem Hörer zu vermitteln gilt. Hans-Martin Fröhling, in dessen Händen die Gesamtleitung des Konzertes lag, durchleuchtete das Oratorium »Die letzten Dinge« in beide Richtungen. Er präsentierte mit dem Madrigalchor Brakel und dem Kammerorchester »Opus 7« eine beeindruckende wie auf den geistlichen Kern konzentrierte Interpretation.

Zu Unrecht scheint Louis Spohr heute fast vergessen. Zu seinen Lebzeiten (1784-1859) war er ein bekannter überaus produktiver Komponist sowie ein hervorragender Geigenvirtuose, der in einem Atemzug mit Paganini genannt wurde. Neben Opern, Liedern, Kammermusik und Violinkonzerten schrieb er auch vier Oratorien, von denen nun das Bedeutendste in der Michaeliskirche zur Aufführung kam.

Zugrunde liegen dem Werk biblische Texte, vorwiegend aus der Offenbarung des Johannes, die der Hofrat Friedrich Rochlitz zusammenstellte, um sie dem Komponisten Louis Spohr als Libretto vorzuschlagen.

Die Schrecken der Apokalypse und des jüngsten Gerichts haben die Menschen von je her fasziniert. Die Musik war immer ein entscheidendes Mittel, um das Verhältnis der Lebenden zum Tod zu reflektieren. Diese Todes- und Ewigkeitsvisionen gestaltete der Madrigalchor mit viel Sinn für das musikalische Drama. So war der Chorsatz »Gefallen ist Babylon« mit Kraft und angezogenen Tempi als einer der Höhepunkte herausgearbeitet. Sicher bewegte sich der Chor in den dramatischen wie auch in den lyrischen Passagen des Werks. Die Sängerinnen und Sänger meisterten die oft langen Spannungsbögen souverän. Hans-Martin Fröhling verstand es, beim Chor perfekte Legatokunst, Samtpiano und makellose Steigerungen abzurufen.

Komponist Louis Spohr hat in seinem Oratorium nicht nur dem Chor, sondern auch den Solisten eine entscheidende Rolle zugedacht. Die Vokal-Soli waren mit Catalina Bertucci (Sopran) und Marie-Sande Papenmeyer (Alt) vortrefflich besetzt. Der schlanke Tenor von Solist Patrick Henckens passte sich dem Farbspiel der Stimmen gut an, wobei Solist Markus Krause (Bass) auch interpretorisch einen konzentrierten Vortrag gab. Das Kammerorchester »Opus 7« garantierte dem Madrigalchor und den Solisten ein zuverlässiges und immer die klanglichen Proportionen wahrendes Fundament.

Auch das zweite Werk »Lux aeterna« des Amerikaners Morten Lauridsen beschäftigt sich mit der Endzeiterwartung. Es ist ein fünfsätziges Chorwerk, in dem der Komponist die Ecksätze »Introitus« und »Agnus Die« aus der liturgischen Totenmesse übernimmt. Den drei Mittelsätzen liegt im Wesentlichen der Dreifaltigkeitsgedanke zugrunde.

Die Vorstellung, dem Menschen im Angesicht des Todes Trost zu spenden, betonte Hans-Martin Fröhling im eindringlichen Ton der beiden Rahmensätze. Plastisch stellte sich im zweiten Satz, den der Chor a cappella sang, die Bitternis des Sterbens neben das Gebet der Flehenden.

Die Interpretation nahm für sich ein, durch die Genauigkeit der chorischen Vorbereitung. Der Madrigalchor - tonschön, vulominös, homogen - wartete mit Durchsichtigkeit und mit etlichen subtilen Nuancen auf. In beiden Werken standen machtvolle Anrufungen neben schwebendem Engelsgesang. Hans-Martin Fröhling brachte die Werke aus dem Geist ihrer Schöpfer zum Klingen. So durften sich die Zuhörer einer Aufführung erfreuen, die so ernst wie besinnlich war.

Fotos des Konzertes vom 16.10.2011

Rezension im Bad Driburger Kurier vom 2. November 2011

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Rezension in der Neuen Westfälischen vom 21. Oktober 2011

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Rezension im Westfalen-Blatt vom 21. Oktober 2011

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